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28. December 2019 - No Comments!

Interview in der Aqua Viva Zeitschrift über die Fluss Frei! – Videoserie

Gemeinsam mit der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva produzierte ich im Jahr 2019 eine Videoserie zum Thema Flusshindernisse. Nun wurde ich von Tobias Herbst, Leiter Öffentlichkeitsarbeit, zu meiner Arbeit als Filmemacher interviewt. Den ganzen Ausschnitt aus der Zeitschrift könnt ihr übrigens hier anschauen.

Herr Goetzmann, wie sind Sie dazu gekommen, Naturfilme für NGOs zu drehen?

Im Rahmen meines Studiums der «Digitalen Medien» habe ich ein Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit beim WWF gemacht. Der WWF hat damals die Möglichkeiten von Video-Clips in der Kommunikation erkannt. Allerdings gab es noch niemanden, der diese produzieren konnte. Ich habe dann erste Clips über lokale Projekte des WWF gedreht – damals war ich noch so eine Art Pionier. Meinen ersten Naturfilm produzierte ich allerdings im Rahmen eines Wettbewerbs für einen Reiseanbieter auf La Palma. Dort wohnte ich zwei Wochen in einer abgelegenen Hütte und habe quasi rundum die Uhr in dieser fantastischen Landschaft gedreht. Ich habe die Natur und den Sternenhimmel im Zeitraffer aufgenommen und meine Leidenschaft für Naturfilme entdeckt.

Worin liegt für Sie die Faszination der Gewässer als Thema für Ihre Filme?

Ich bin in einem natürlichen Umfeld aufgewachsen. Zufällig genau an jenem Abschnitt der Wyna, an dem sich Aqua Viva heute im Rahmen von Fluss frei! für den Rückbau unnötiger Hindernisse einsetzt. Mein Opa ist zudem Fischer und hat mich immer mit auf’s Wasser genommen. Er hat mir viel Schönes gezeigt: In Alaska durfte ich beispielsweise hautnah miterleben, wie tausende von Lachsen das Wasser zum Brodeln bringen. Es wäre grossartig, wenn meine Filme dazu beitragen, dass der Lachs irgendwann auch wieder in den Schweizer Gewässern heimisch wird – am liebsten in einer revitalisierten Wyna.

Was möchten Sie darüber hinaus mit Ihren Filmen erreichen?

Ich möchte zeigen, wie es um die Schweizer Gewässer tatsächlich bestellt ist mit Bildern und durch Gespräche mit Fachpersonen. Mich motiviert es sehr, wenn ich durch meine Projekte mit spannenden Menschen in Kontakt komme. Persönlichkeiten wie der Fischökologe Armin Peter eröffnen mir neue Welten (Anmerkung der Redaktion: Armin Peter kommt im zweiten Teil der Fluss frei! Clip-Serie zu Wort). Solche Fachpersonen sind allerdings häufig so in ihrem Thema, dass die Brücke zum Laien fehlt. Und darum geht es mir: Eine Brücke zu schlagen mit spannenden Bildern, die gleichzeitig Wissen vermitteln.

Warum eignen sich gerade Filme und Clips, um Menschen für komplexe Themen wie den Gewässerschutz zu sensibilisieren?

Die Gewässer stehen heute von allen Seiten unter Beschuss. Der Mensch verändert sie permanent – zum Guten wie zum Schlechten. Ausserdem gibt es ganz akute Probleme wie das Fischsterben. Im Alltag sehen wir aber keine Fische und das Wasser ist nicht unser Element. Wir nehmen die Probleme unserer Gewässer häufig nicht wahr. Mit meinen Filmen will ich deren Schönheit und Einzigartigkeit zeigen. Wir müssen sehen, was es zu schützen gilt. Missstände werden manchmal jedoch erst durch einen Perspektivwechsel sichtbar: Filmt man einen Fluss vom Ufer aus, kann dieser auf den ersten Blick sehr natürlich wirken. Erst Luftaufnahmen mit einer Drohe zeigen, wie begradigt der Fluss ist und wie viele Hindernisse sich darin befinden. Filme sind aber nur ein Teil, um zu sensibilisieren und zu motivieren. Organisationen wie Aqua Viva müssen darüber hinaus weiterführende Informationen und Möglichkeiten zu persönlichem Engagement anbieten. Bei Fluss frei! gibt es daher eine eigene Homepage mit einem Beteiligungs-Tool.Jeder einzelne kann sich hier an seinen Regierungsrat wenden, um diesen auf die Notwendigkeit zum Rückbau unnötiger Hindernisse in unseren Gewässern aufmerksam zumachen.

Worin liegt die Kunst gleichzeitig unterhaltend und informativ zu sein?

Für mich geht es in erster Linie darum, Interesse zu wecken. Ist dieses vorhanden, finden Menschen heute schnell vertiefende Informationen. Dennoch fällt es mir zum Teil schwer, Informatives aus den Filmen zu streichen. Ausserdem geht es um die Dramatik und die richtige Auswahl der Bilder. Nach einem Drehtag habe ich viele spannende Aufnahmen. Die Frage ist allerdings: Was ist emotional, was informativ, welche Statements sind bewegend und passend? Der Kern meiner Arbeit ist weniger das Drehen selbst, sondern viel mehr das Schneiden.

Und welche Rolle spielt dabei die Technik?

Auch wenn man wie ich allein unterwegs ist, sind heute technisch anspruchsvolle Aufnahmen möglich. Mit Drohnen oderUnterwasserkameras z.B.. Die Technik hat sich hier extrem weiterentwickelt. Als ich mit dem Filmen begann, habe ich meine Drohnen noch selbst gebaut. Heute ist bereits mit kleinem Budget vieles möglich. Aber wie gesagt, es geht darum, die Inhalte spannend zusammenzustellen. Zum Teil greife ich dazu auch auf Aufnahmen von Dritten zurück. Der Fischökologe Armin Peter hat beispielsweise ein ganzes Archiv unglaublich spannender Unterwasseraufnahmen von Fischwanderungen. Wären wir nicht für die Produktion der Fluss frei! Clips zusammengekommen, wären diese vermutlich nie öffentlich gezeigt worden.

Von welchem Filmprojekt träumen Sie noch?

Bei der Produktion der Fluss frei! Clips und der Auseinandersetzung mit den Gewässern wurde mir klar, wie gross der Einfluss der Landwirtschaft auf unsere Gewässer aber auch auf andere Lebensräume ist – im Positiven wie im Negativen. Ich würde gerne Lösungen und Projekte einer nachhaltigen Landwirtschaft zeigen und hier etwas zum Guten bewegen.